logo
Ressourcenschonende Energieversorgung

Zur Versorgung des Großraums Wien mit Strom und Wärme setzen die Wiener Stadtwerke seit über 50 Jahren auf das „Wiener Modell“. Dessen Eckpfeiler sind die kombinierte Erzeugung von Strom und Wärme durch Kraft-Wärme-Kopplung, die Nutzung von Energie aus Müllverbrennung, der Einsatz erneuerbarer Energieträger sowie umfassende Energiedienstleistungen zur Steigerung der Effizienz.

Die vier Wiener Müllverbrennungsanlagen verwerten im Regelbetrieb jährlich rund 900.000 Tonnen Hausmüll, gefährliche Abfälle („Sondermüll“) und Klärschlamm. Sie gewährleisten damit nicht nur die Entsorgungssicherheit Wiens, sondern decken damit auch die Grundlast des Wiener Wärmebedarfs.

Zur Abdeckung der durchschnittlichen Wärmenachfrage (Mittellast) dient die Wärme aus den Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen der Kraftwerke Donaustadt und Simmering, des Biomassekraftwerks Simmering sowie die Abwärme der OMV-Raffinerie in Schwechat.

Wenn der Wärmebedarf die Kapazitäten der Müllverbrennungsanlagen und der KWK-Kraftwerke übersteigt, werden die mit Gas oder mit Heizöl befeuerten Fernheizwerke (Spitzenkessel) zugeschaltet. Bei der Eigenerzeugung von Strom dominieren die eigenen KWK-Anlagen; je nach Bedarf können diese auch rein stromgeführt betrieben werden (Kondensationsbetrieb), wodurch allerdings ihr energetischer Wirkungsgrad sinkt.

2015 konnte die eigene Stromerzeugung wieder deutlich erhöht werden. Dies ist auf die verstärkte Wärmeauskopplung aus den KWK-Anlagen in Folge des gestiegenen Wärmebedarfs, vermehrte Leistungen für das Engpassmanagement und den ganzjährigen Betrieb des Biomasse-Kraftwerks Simmering zurückzuführen. Der Stromzukauf sank infolgedessen um knapp 11 %.

Rein rechnerisch sind die Wiener Stadtwerke in der Lage, den Bedarf an elektrischer Endenergie in Wien von rund 8.200 GWh13 allein mit ihren eigenen Erzeugungskapazitäten zu decken. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, wird aber – vereinfacht dargestellt – am Großhandelsmarkt (Strombörsen) oder direkt bei einem anderen Erzeuger Strom zugekauft, wenn der dort angebotene Strom kostengünstiger ist, als wenn er in einem eigenen Kraftwerk erzeugt würde.

Es gibt weitere Faktoren für einen Zukauf, zum Beispiel wenn im Winter die Nachfrage nach Fernwärme hoch ist. Beim Stromzukauf hat der Verkäufer den Nachweis zu erbringen, wie hoch der Atomstromanteil ist.

Der Anteil des bezogenen Atomstromes am gesamten Energieverbrauch des Unternehmens betrug 2015 0 %. 

Strommengen: Absatz und eigene Erzeugung

Strom 2015 +/- 2014 2013
Absatz (GWh) 9.444 1,0% 9.349 9.527
Eigene Erzeugung (GWh) 5.011 15% 4.350 3.974
(c) Wien Energie
Biomasse-Kraftwerk Simmering © Wien Energie

Ausbau der Erneuerbaren Energieträger

öffnen

Bei der Eigenerzeugung dominieren derzeit noch die kalorischen Kraftwerke, beim Strom gefolgt von den Wasserkraftwerken, bei der Wärmeerzeugung gefolgt von den Müllverbrennungsund Biomasseanlagen (vgl. Seite 55, Kap. KundInnen). Der Anteil Strom aus Erneuerbaren Energieträgern lag 2015 bei 19,0 (2014: 18,8) % auf Konsolidierungsebene bzw. 20,4 (2014: 20,5) % inkl. Beteiligungen.

Der Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr leicht verringert, da die Erzeugung der kalorischen Kraftwerke absolut sehr viel stärker gestiegen ist als die der Erneuerbaren Energieträger und Müllverbrennungsanlagen.

Der Anteil Wärme aus Erneuerbaren Energieträgern lag 2015 bei 18,0 (2014: 16,2) % auf Konsolidierungsebene bzw. 22,4 (2014: 21,4) % inkl. Beteiligungen.

Anteile der Stromerzeugung nach Anlagen, in Prozent [%]

1 2013 wegen Umbaus keine Netzeinspeisung aus der Müllverbrennungsanlage Spittelau
Anteil Stromerzeugung aus 2015 +/- [GWh] 2014 2013
Kalorischen Kraftwerken + Bezugsrechten 81% 519 81% 77%
Wasserkraftwerken 12% 3 14% 18%
Windkraftanlagen 3% 59 2% 2%
Fotovoltaik 0% 4 0% 0%
Biomasseanlagen 3% 52 2% 3%
Müllverbrennungsanlagen 1% 25 0% 0,0 % 1
Stromerzeugung gesamt [GWh] 5.011 661 4.350 3.974
  • davon aus Erneuerbaren Energieträgern [GWh]
950 134 816 929
Anteil Strom aus Erneuerbaren Energieträgern bezogen auf Gesamterzeugung Strom
auf Konsolidierungsebene 19,0% - 19% 23%
inkl. Beteiligungen 20% - 21% 25,0%

 

Anteile der Wärmeerzeugung nach Anlagen, in Prozent [%]

1 Verbundnetz und dezentrale Anlagen
2 Inkl. MVA Pfaffenau
Anteil Wärmeerzeugung aus 2015 +/- [GWh] 2014 2013
Kalorischen Kraftwerken (KWK-Anlagen) 60% 212 57% 55%
Müllverbrennungsanlagen 23% 159 21% 17%
Spitzenkessel (Gas, Öl) 8% -258 14% 19%
Biomasseanlagen 4% 36 3% 4%
Sonstige (Heizzentralen) 2% -4 2% 2%
Fossile Energieträger Energiecomfort 3% 14 4% 5%
Biomasse Energiecomfort 5% -1 9% 7%
Wärmeerzeugung gesamt 1 [GWh] 4.982 127 4.855 5.607
  • davon aus Erneuerbaren Energieträgern [GWh]
895 109 786 826
Anteil Wärme aus Erneuerbaren Energieträgern bezogen auf Gesamterzeugung Wärme
auf Konsolidierungsebene 1 18,0% - 16% 15%
inkl. Beteiligungen 2 22% - 21% 19%
Wärmeerzeugung gesamt, inkl. Beteiligungen 2 5.676 116 5.560 6.339

 

Bis zum Jahr 2030 will Wien Energie ihre Erzeugungskapazität für Wärme aus erneuerbaren Energien (inkl. Abwärme) auf mindestens 415 MWthermisch und für Strom auf mindestens 1.100 MWelektrisch ausbauen.

Ende 2015 betrug die Erzeugungskapazität aus Erneuerbaren Energien für Wärme 186 MWth entsprechend knapp 45 % und für Strom 312 MWel entsprechend gut 28 % des für 2030 angestrebten Kapazitätsausbaus.

Damit soll der aus Erneuerbaren Energien erzeugte Anteil an der Gesamterzeugung von Wärme auf 39 % und von Strom auf 35 % ausgebaut werden.

  • Allein durch den Bau des Windparks Pottendorf wurden bereits 42,9 MWel realisiert. 
  • In über 50 Projekten wurden rund 85 Fotovoltaikanlagen mit einer Gesamtleistung von rund 12,5 MWpeak errichtet. 
  • Für den weiteren Ausbau investiert Wien Energie bis 2020 insgesamt 460 Millionen Euro in Lösungen mit erneuerbaren Energieressourcen. 


Laut Smart City Wien Rahmenstrategie liegt das Hauptaugenmerk bei der Weiterentwicklung des Wiener Energiesystems auf einer starken Nutzung lokaler erneuerbarer Ressourcen und Abwärme sowohl für Wärme als auch für Strom.

Da dezentrale Erzeugungsformen immer mehr an Bedeutung gewinnen, hat Wien Energie 2015 weitere BürgerInnen-Solarkraftwerke realisiert. Die BürgerInnen-Solarkraftwerke produzierten 2015 rund 5,85 GWh Solarstrom.

Weiters wurden drei neue Energieversorgungsmodelle zur dezentralen Nutzung von erneuerbaren Energien entwickelt. Anfang 2016 wurde das Projekt PV-Hochleistungsmodule mit angeschlossenem Batteriespeicher erstmals in einem Wohnheim für Studierende in der Seestadt Aspern realisiert.

zuklappen

Verringerung des eigenen Energieverbrauchs

öffnen

Der eigene Stromverbrauch der Wiener Stadtwerke machte 2015 rund 473 GWh aus. Der überwiegende Teil (~85 %) entfällt auf den Traktionsstrom für die U-Bahnen, Straßenbahnen und Elektrobusse der Wiener Linien sowie die Bahn der Wiener Lokalbahnen.

Hinzu kommt der Stromverbrauch der Verwaltungen und der Werkstätten. Der Eigenstromverbrauch der Kraftwerke von Wien Energie ist in diesen Werten nicht enthalten, bei diesen wird durchgängig nur die Nettoerzeugung ausgewiesen. 2015 konnte der Verbrauch an Traktionsstrom um 1,0 % reduziert werden. Dies dürfte insbesondere auf den Ersatz der konventionellen Wagen durch ULFs zurückzuführen sein.

Ende 2015 waren 60 % der Straßenbahnen Niederflurfahrzeuge. Der Anteil gefahrener Kilometer stieg durch den stärkeren Einsatz von ULF sogar noch höher und lag 2015 bei 70 %. So stiegen die Platzkilometer für die Schienenfahrzeuge der Wiener Linien von 16.589 Mio. (2014: 12.401 Mio. km U-Bahn + 4.187 Mio. km Straßenbahn) auf 16.678 Mio. km (12.512 Mio. km U-Bahn + 4.166 Mio. km Straßenbahn), was einem Plus von 0,5 % entspricht.

Bei den für die Heizung bei den Wiener Stadtwerken eingesetzten Energieträgern konnten – trotz des witterungsbedingt gestiegenen Wärmebedarfs in Wien – Einsparungen von in Summe 7 % erreicht werden. So haben etwa die Friedhöfe Wien 2015 die alte Ölheizung der Gärtnerei am Wiener Zentralfriedhof durch eine effiziente Gasheizung ersetzt.

Der Rückgang des Fernwärmeeinsatzes ist u.a. auf eine Verbrauchsreduktion bei den Wiener Linien zurückzuführen. Diese haben im Jahr 2014 die Wärmeversorgung in der Zentralwerkstätte Simmering umgebaut und dabei auch eine Wärmepumpe realisiert so dass die Fernwärme-Abnahme reduziert werden konnte.

Stromverbrauch Wiener Stadtwerke

Stromverbrauch [GWh] 2015 +/- 2014 2013
Verbrauch Traktionsstrom 400 -1,0% 404 414
Stromverbrauch Verwaltung,
Werkstätten, sonstige 73 1% 72 76
Eigener Stromverbrauch (GWh) 473 -1% 476 490

 

Eingesetzte Energieträger für Heizung bei den Wiener Stadtwerken [GWh]

1 Aufgrund der unterschiedlichen Erfassungsmethodik in den einzelnen Netzgesellschaften vor der Gründung der Wiener Netze sind Angaben
zur Summe 2013 nicht möglich.
2Wird ab 2015 nicht mehr separat erfasst, sondern ist in der Position Stromverbrauch Verwaltung, Werkstätten, sonstige Anlagen enthalten

Energieträger [GWh] 2015 +/- 2014 2013
Fernwärme 59,2 -17% 71 88
Erdgas 50.3 9% 46 - 1
Strom 0,0 2 - 0,3 0,7
Heizöl 1,7 -14% 2 3
Energieträger gesamt 111,3 -7% 119,3 - 1

zuklappen

Steigerung der Energieeffizienz

öffnen

Ein wichtiger Beitrag bei der Steigerung der Energieeffizienz ist die energetische Optimierung der Erzeugungsanlagen von Wien Energie. Mit der 2015 abgeschlossenen energiewirtschaftlichen Optimierung der Müllverbrennungsanlage Spittelau konnte deren Wirkungsgrad von 70 auf 76 % gesteigert und die Stromproduktion – bei gleich gebliebenem Abfalldurchsatz – auf 120 GWh gesteigert (verdreifacht) werden, während die Wärmeproduktion (500 GWh/a) gleich geblieben ist.

Weiters wurde 2014 beim Heizwerk Arsenal die bisherige Anlage durch eine effizientere Neuanlage ersetzt. 2016 soll unter anderem ein Betriebsdatenüberwachungssystem für die erneuerbaren Anlagen zur Optimierung des Betriebes (Stillstandszeiten, Instandhaltungsprognosen etc.) implementiert werden.

Um die in den Müllverbrennungsanlagen, KWK-Anlagen und Industriebetrieben anfallende Wärme auch außerhalb der Heizperiode nutzen zu können, wurde als neues Geschäftsfeld Fernkälte aufgebaut. Die ansonsten ungenutzte Wärme kann für Absorptionskältemaschinen verwendet werden.

Das Besondere dabei: Anstelle von Strom wird hier die Abwärme für den Antrieb der Maschinen verwendet. Dadurch werden im Vergleich zur herkömmlichen Kälteproduktion viel weniger Primärenergie und Strom verbraucht und dadurch hohe CO2-Einsparungen erreicht. Diese Absorptionskältemaschinen können entweder dezentral beim Wärmeabnehmer oder aber bei einer zentralen Fernkälteanlage stehen.

Für diese innovative Entwicklung wurde Wien Energie 2008 mit dem Umweltpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. In den letzten Jahren konnte Wien Energie bereits mehrere Fernkältezentralen realisieren, darunter TownTown, Hauptbahnhof Wien, Geriatriezentrum Donaustadt, Spittelau und Krankenhaus Nord. Bis zum Jahr 2030 soll im Geschäftsfeld Fernkälte die Kälteleistung auf bis zu 366 MW ausgebaut werden.

2015 wurde zudem bei Wien Energie ein Competence Center für Energieeffizienz eingerichtet, das konzernweit agiert.

Fernwärme und Fernkälte sind nur zwei der Möglichkeiten, die Energieeffizienz bei den KundInnen zu erhöhen. Daneben berät Wien Energie ihre Kundinnen und Kunden bei der Reduktion ihres Energieverbrauchs – durch Energieberatungsleistungen ebenso wie durch regelmäßige Informationskampagnen.

Bis 2017 will Wien Energie (mindestens) drei Produkte und Dienstleistungsangebote entwickeln, welche die KundInnen in ihrem Bestreben nach effizienter Nutzung von Energie unterstützen.

2015 wurden erstmals die eingesparten Mengen an Endenergieverbrauch gemäß der Anforderung des EEffG §10 systematisch erhoben. Es wurden deutlich mehr Energieeffizienzmaßnahmen gemeldet, als im Gesetz gefordert sind. Allerdings steht die Überprüfung durch die Monitoring-Stelle noch aus.

Auch die anderen Konzernunternehmen engagieren sich in Sachen Energieeffizienz. Die Wiener Netze haben 2015 Energieaudits im gesamten Konzernunternehmen durchgeführt und am Standort Simmering Bewegungsmelder zur energieeffizienten Steuerung der Beleuchtung (50 % der Gänge und Toiletten) installiert. Bis 2017 soll dort rund 50 % der Beleuchtung auf LED umgestellt werden. WIPARK wird die Optimierung der Beleuchtung und Belüftung in den Parkgaragen voraussichtlich 2016 abschließen können.

Die Modernisierung der Elektroinstallation der Garage Stiftgasse hat im Februar 2016 begonnen. Im Rechenzentrum Simmering werden seit 2015 die Energieflüsse softwaregestützt aufgezeichnet und analysiert. Aus den so gewonnen Erkenntnissen will WienIT gezielt Maßnahmen zur Energieeinsparung setzen. Es wird eine Energieeinsparung von bis zu 30 % erwartet.

zuklappen

Ressourcenschonende Energieversorgungskonzepte für Stadterweiterungsgebiete

öffnen

Wien wächst. Bereits 2013 haben die Stadt Wien, Wien Energie, Wiener Netze und Siemens die Aspern Smart City Research GmbH (ASCR) gegründet. In diesem Joint Venture soll ein Teil der technischen Lösungen für die neue Energiewelt entwickelt und erprobt werden, und zwar im realen Leben eines neu errichteten Stadtquartiers mit realen EndkundInnen. Neue Stadterweiterungsgebiete sind eine einmalige Chance für die Realisierung von ressourcenschonenden Energieversorgungskonzepten.

Diese können unter anderem die Einbindung von lokaler Abwärme und von Solarthermie und Photovoltaik, die Nutzung von Grundwasser und oberflächennaher Geothermie mit saisonal ausgeglichener Energiebilanz oder die Nutzung der Rückkühlenergie von klimatisierten Gebäuden für die Regeneration von saisonalen Speichern und die Erwärmung von Trinkwasser beinhalten.

Wien Energie arbeitet aktuell an der Entwicklung entsprechender Konzepte, um eine maximale Ressourcenschonung bei der Realisierung von Stadterweiterungsgebieten zu ermöglichen.

zuklappen