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Nachhaltigkeit – eine globale Herausforderung

Dass Klimaschutz und Verteilungsgerechtigkeit eng zusammenhängen, wurde bereits in den 1980er Jahren erkannt. Auf dieser Erkenntnis basiert das Konzept der Nachhaltigen Entwicklung. Diese kann nur durch internationale Zusammenarbeit und Vereinbarungen verwirklicht werden. Die Klimaschutzkonvention von Rio 1992 und das Kyoto-Protokoll von 1997 sind deshalb genau wie die Millenniumsziele der Vereinten Nationen (United Nations, UN) oder der UN Global Compact Schritte in die richtige Richtung. Doch es bleibt viel zu tun und die Zeit ist knapp geworden.

Mit fortschreitender Industrialisierung in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts nahm die Gefährdung der natürlichen Umwelt durch Vergiftung und Zerstörung globale Ausmaße an. Zugleich drohte bereits damals eine Überbevölkerung des Planeten. 1972 veröffentlichte der Club of Rome die Studie „Die Grenzen des Wachstums“, in Stockholm fand die erste UN-Umweltkonferenz statt, und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) wurde gegründet. Die Warnungen von ExpertInnen vor einem Klimawandel mehrten sich. Die UN setzten die nach ihrer Vorsitzenden benannte Brundtland-Kommission ein, die die Folgen von Umweltzerstörung und Überbevölkerung untersuchen und Gegenmaßnahmen vorschlagen sollte. Mit der Veröffentlichung des Brundtland-Report 1987 erreichte die Diskussion um den Klimawandel eine breitere Öffentlichkeit – und entfaltete schließlich auch politische Wirkung.

Die Kommission unter der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland entwickelte damals das Leitbild einer „nachhaltigen Entwicklung“. Ihre Definition ist bis heute aktuell:

"Nachhaltige Entwicklung ist eine Entwicklung, die den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen. Die Forderung, diese Entwicklung dauerhaft zu gestalten, gilt für alle Länder und Menschen."

Brundtland-Kommission, 1987

Rio und Kyoto: Meilensteine der nachhaltigen Entwicklung

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Die Vorschläge der Brundtland-Kommission führten 1992 zur ersten weltweiten UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro, dem sogenannten Erdgipfel. Hier wurde das Rahmenübereinkommen der Vereinten Nationen (UNFCCC, United Nations Framework Convention on Climate Change) über Klimaveränderungen von 158 Staaten, darunter Österreich, unterzeichnet. Die Konvention trat weltweit am 21. März 1994 in Kraft und wurde mittlerweile von 180 Staaten ratifiziert. Die Konvention enthielt keine verbindlichen Ziele, sie sorgte jedoch dafür, dass das Thema nachhaltige Entwicklung und insbesondere Klimaschutz schlagartig in das Bewusstsein der Weltöffentlichkeit rückte.

In den Folgejahren fanden mehrere Konferenzen der Vertragsparteien zur Klimaschutzkonvention statt, unter anderem 1997 in Kyoto (Japan). Dort verpflichteten sich die Industrieländer völkerrechtlich verbindlich zur Reduzierung ihrer Emissionen in einem festgelegten Rahmen. Für die erste Verpflichtungsperiode von 2008 bis 2012 sagten die wichtigsten Industrieländer zu einer Emissionsminderung von mindestens 5,2% gegenüber dem Wert von 1990 zu. In den 15 Ländern, die damals der Europäische Union angehörten, sind die Gesamtemissionen im Zeitraum 2008-2012 um durchschnittlich 12,2 % gegenüber dem Jahr 1990 zurückgegangen. Damit hat die EU ihre Kyoto-Ziele übererfüllt.

Auf der UN-Klimakonferenz 2011 in Durban (Südafrika) wurde beschlossen, dass bis 2015 ein neues rechtlich verbindliches Klimaabkommen ausgehandelt werden soll. Dieses soll dann ab 2020 für alle Staaten – also Industrie-, Schwellen- und Entwicklungsländer – verbindlich gelten. Das bisherige Kyoto-Abkommen wurde bis 2020 verlängert. Auf dem G7-Gipfel 2015 in Elmau (Deutschland) haben die Staats- und Regierungschefs zugesagt, dass die Energieversorgung ihrer Staaten bis Mitte 2050 weitgehend auf erneuerbare Energien umgestellt wird. Auch der Papst sieht dringenden Handlungsbedarf und drängt in seiner im Sommer 2015 veröffentlichten Enzyklika "Laudato si“ auf Maßnahmen zur Reduzierung von Luftverschmutzung und Vermeidung eines gravierenden Klimawandels. Im Dezember 2015 soll in Paris das angestrebte neue Klimaabkommen verabschiedet werden.

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Fünfter Weltklimabericht ist alarmierend

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Weltweit hat, so ein Bericht der Weltwetterorganisation der Vereinten Nationen, die Konzentration von langlebigen Treibhausgasen (CO2, Methan, Lachgas) in 2013 den höchsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen erreicht.

Der Weltklimarat IPCC (International Panel on Climate Change) legte 2013 und 2014 in mehreren Schritten die verschiedenen Teile seines fünften Sachstandberichtes zum Klimawandel vor. In dem Bericht warnen die ForscherInnen vor einem sehr schnellen Anstieg des Meeresspiegels, drohenden Hitzewellen und dem Verschwinden vieler Gletscher.

Eine Analyse von rund 1.200 Szenarien kommt zu dem Ergebnis, dass es einfacher und kostengünstiger wäre, wenn frühzeitiger eine Trendwende eingeleitet würde und die Emissionen reduziert würden. Mit einem „weiter wie bisher“ ist dies aber nicht zu erreichen, es bedarf grundlegender Änderungen unter anderem in der Industrie im Verkehr und in der Energiewirtschaft. Nicht nur die Berichte und die Zusammenfassungen, sondern auch kurze Videos mit den Ergebnissen stehen auf der Website des IPPC zur Verfügung. 

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Der Global Compact: Zehn Prinzipien für die Wirtschaft

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1999 forderte der damalige Generalsekretär der Vereinten Nationen, Kofi Annan, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos die SpitzenvertreterInnen der weltweit führenden Wirtschaftsunternehmen auf, einen „Globalen Pakt“ (Global Compact) einzugehen, mit dem Ziel, zentrale Grundsätze aus den Bereichen Menschenrechte, Arbeitsstandards und Umweltschutz als Minimalstandard in ihren Unternehmen zu verankern und weltweit voranzutreiben.

"Specifically, I call on you – individually through your firms, and collectively through your business associations – to embrace, support and enact a set of core values in the areas of human rights, labour standards, and environmental practices."

Daraufhin wurde der UN Global Compact mit zunächst neun Grundsätzen gegründet. 2004 wurde Antikorruption als zehnter Grundsatz eingeführt.

Unternehmen, die den Global Compact unterschreiben, müssen:

  1. Den Schutz der international verkündeten Menschenrechte unterstützen und respektieren.
  2. Sicherstellen, dass sie selbst nicht bei Menschenrechtsverletzungen mitwirken.
  3. Das Recht ihrer Beschäftigten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, respektieren sowie deren Recht auf Tarifverhandlungen effektiv anerkennen.
  4. Alle Formen von Zwangsarbeit bzw. Fronarbeit ausschließen.
  5. An der tatsächlichen Abschaffung von Kinderarbeit mitwirken.
  6. Jede Diskriminierung in Bezug auf Beschäftigung und Beruf beseitigen.
  7. Den Vorsorgeansatz gegenüber Umweltgefährdungen unterstützen.
  8. Initiativen zur Förderung größeren Umweltverantwortung ergreifen.
  9. Die Entwicklung und die Verbreitung umweltfreundlicher Technologien fördern.
  10. Korruption jeglicher Art, einschließlich Erpressung und Bestechung, entgegentreten.

Inzwischen sind über 12.000 Organisationen, darunter 8.000 Unternehmen, dem Pakt beigetreten. Die Wiener Stadtwerke sind seit 2008 ebenfalls Mitglied des Global Compact und erstellen daher jährlich einen GC-Fortschrittsbericht (Communication on Progress).

Die aktuelle Fortschrittsmitteilung der Wiener Stadtwerke steht hier zur Verfügung.

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